FAQ – Häufige Fragen

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen. Jeden 1. und 2. Samstag im Monat findet zudem ein Info-Anlass für werdende Eltern statt, bei dem Sie gerne Ihre persönlichen Fragen einbringen können.

 

Warum ins Geburtshaus?

Vielleicht fragen Sie sich, warum Sie überhaupt ein Geburtshaus in Betracht ziehen sollen? Die wichtigsten Argumente, die dafür sprechen, Ihr Kind im Geburtshaus willkommen zu heissen:

  • Weil die Geburt ein prägender Moment ist und den Eintritt in eine neue Lebensphase markiert. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was Ihnen wichtig ist bzw. wie und wo Ihr Kind zur Welt kommen soll!
  • Weil wir Schwangerschaft und Geburt als gesunde Lebensereignisse verstehen und Ihre Chancen auf eine natürliche Geburt im Geburtshaus am höchsten sind.
  • Weil die natürliche Geburt Mutter und Kind viele Vorteile bringt: Weniger Komplikationen, besseres Bonding, höhere Stillraten, bessere Verarbeitung der Geburt, nachhaltige Gesundheits-Förderung und Erhaltung.
  • Weil wir eine einfühlsame und kompetente 1:1 Betreuung sicherstellen und Sie vom reichen Erfahrungsschatz der Hebammen profitieren.
  • Weil Sie im Geburtshaus als eigenständige Persönlichkeit gesehen werden und nicht als Patientin nach Schema X. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Anliegen sowie mögliche Ängste und unterstützen Sie dabei, Vertrauen in die eigene Gebärfähigkeit zu entwickeln.
  • Weil die Weltgesundheitsorganisation WHO gesunden Schwangeren hebammengeleitete Modelle empfiehlt.

In diesem Zusammenhang sei noch eine kleine Anekdote erzählt: Der Förderverein wirbt in der Öffentlichkeit immer wieder mal mit einem Info-Stand fürs Geburtshaus Zürcher Oberland. Als eine Vorstandsfrau mit einer interessierten Passantin über das Geburtshaus sprach und dabei erklärte, dass die Frauen dort ihre Kinder aus eigener Kraft gebären, rief diese ganz entsetzt aus: „Waaas, OHNE Narkose?!“ (vgl. Sie dazu nachstehend den Abschnitt „Schmerzlinderung„).

So sehr uns diese Reaktion erheitert hat, so zeigt sie gleichzeitig, dass viele Frauen den Glauben an ihre innere Kraft verloren haben. Diese Kraft (wieder) zu entdecken, ist eines der wertvollsten Geschenke, das wir werdenden Müttern machen können.

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Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach, österr. Schriftstellerin (1830-1916)

 

Die Anmeldungskriterien für eine natürliche Geburt im Geburtshaus finden Sie hier.

 

Fragen zum Geburtshaus

Was ist ein Geburtshaus?

Ein Geburtshaus ist ein von erfahrenen Hebammen geleitetes Kompetenzzentrum für Schwangerschaftsvorsorge, natürliche Geburt, Wochenbett und Stillzeit.

Was machen die Hebammen alles?

Hebammen sind Fachexpertinnen für Schwangerschaft, natürliche Geburt, Wochenbett und Stillen. Sie führen Schwangerschaftskontrollen durch, begleiten die Frauen durch die Geburt, betreuen sie im Wochenbett und auch in der Zeit danach (Stillberatung, Säuglingspflege, Rückbildung). Die Hebammen im Geburtshaus führen zudem Nachkontrollen durch und bieten sowohl Geburtsvorbereitungs- als auch Rückbildungskurse an.

Sind auch Ultraschall-Kontrollen möglich?

Nein, wir führen selber keine Ultraschall-Kontrollen durch; für die Anmeldung zur natürlichen Geburt ist jedoch ein Ultraschall vorgesehen (vgl. Anmeldekriterien). Diesen machen Sie bei Ihrer Frauenärztin oder in einem Spital.

Gibt es noch andere Geburtshäuser in der Schweiz?

Ja, es gibt noch weitere Geburtshäuser in der Schweiz (mit zum Teil unterschiedlichen Angeboten, s. www.geburtshaus.ch). Das zweite Geburtshaus im Kanton ist das Delphys in der Stadt Zürich.

 

Fragen zur Sicherheit

Ist die Geburt im Geburtshaus nicht gefährlich?

Im Gegenteil! Für gesunde Schwangere und deren Babys ist die Geburt im Geburtshaus genau so sicher – wenn nicht sogar sicherer – als im Spital (vgl. dazu Haltung der WHO sowie die Empfehlungen der NICE Guidelines). Abgesehen von der professionellen Überwachung des Geburtsverlaufs sind die Faktoren „Zeit“ und „emotionale Geborgenheit“ bei einer Geburt mindestens genauso wichtig wie medizinische Apparate:

  • Mutter und Kind erhalten die Zeit, die sie benötigen, um die Geburt gemeinsam zu bewältigen.
  • Im Geburtshaus werden keine beschleunigenden Interventionen vorgenommen, d.h. das Geburtsgeschehen verläuft ungestört.
  • Dies spiegelt sich in der Statistik: In den Geburtshäusern bewältigt eine Mehrheit der Frauen die Geburt ohne Dammverletzungen, und Komplikationen bei den Neugeborenen sind selten.
  • Die 1:1 Betreuung durch eine Hebamme ist während der ganzen Geburt gewährleistet, die Gebärende hat stets jemanden an der Seite, der das Geschehen einfühlsam und kompetent überwacht.
  • Die Kaiserschnittrate liegt in den Geburtshäusern markant tiefer (5-8% ggü. durchschnittlich 37% in Spitälern; auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im Geburtshaus keine Risikoschwangerschaften betreut werden, liegt die Kaiserschnittrate wesentlich tiefer).

Selbstverständlich findet zum Wohle von Mutter und Kind in der Schwangerschaft eine sorgfältige Triage statt. Zeichnen sich Risiko-Faktoren ab, ziehen wir jeweils Spezialisten aus unserem Netzwerk bei.

Ist im Geburtshaus auch ein Arzt vor Ort?

Nein. Hebammen sind als Expertinnen für Schwangerschaft, natürliche Geburt und Wochenbett spezifisch für die Betreuung der Frauen ausgebildet und fachlich absolut kompetent. Selbstverständlich pflegen wir eine gute Zusammenarbeit mit medizinischen Partnern in der Region, die wir zur Beratung oder bei Kontrollen wenn nötig beiziehen.

Was ist bei Komplikationen?

Sind die Aufnahmekriterien nicht erfüllt, wird die Frau bereits in der Schwangerschaft an eine geeignete Klinik aus unserem Netzwerk verwiesen. Bei gesunden Schwangeren (gemäss WHO rund 85-90%) sind Komplikationen aufgrund der 1:1 Betreuung selten und werden von den Hebammen frühzeitig erkannt.

Wann wird eine Frau unter der Geburt verlegt?

Eine Verlegung zeichnet sich meist im Voraus ab. Erfahrene Hebammen haben ein feines Gespür für den natürlichen Geburtsverlauf. Bei rund der Hälfte der Verlegungen zieht die Hebamme die Grenze und rät zur Verlegung, zur Hälfte erfolgt sie auf Wunsch der Gebärenden.

Wie muss ich mir eine Verlegung vorstellen?

Blaulicht und Sirene sind die Ausnahme. Fast alle Verlegungen erfolgen im eigenen Privat-Auto, begleitet von der betreuenden Hebamme. Der häufigste Verlegungsgrund ist ein Geburtsstillstand, gefolgt von Verzögerungen bei der Nachgeburt, d.h. wenn sich die Plazenta nicht löst. Das nächstgelegene Spital Wetzikon ist 8 Auto-Minuten entfernt.

Wie häufig sind Komplikationen?

Selten. Vergleichen Sie dazu auch unsere Statistik.

Gibt es Ärzte, die eine Geburt im Geburtshaus unterstützen?

Ja, selbstverständlich gibt es diese, etwa unser Vertrauensarzt oder die Leitung der Geburtshilfe des Paracelsus-Spitals Richterswil. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass die ausserklinische Geburtshilfe unter der Leitung von Hebammen genauso sicher bzw. sicherer ist als die Spitalgeburt. Weitere Vorteile:

  • Weniger Interventionen und dadurch auch weniger Komplikationen
  • Raschere Erholung von Mutter und Kind
  • Positiveres Geburtserlebnis der Mutter
  • Besseres „Bonding“ zwischen Mutter/Eltern und Kind.

Die Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO empfehlen hebammengeleitete Modelle.

 

Fragen rund um die Schmerzlinderung

Kann ich im Geburtshaus eine PDA bekommen?

Nein, eine Periduralanästhesie (PDA) ist im Geburtshaus nicht verfügbar. Die Hebammen nutzen vorwiegend pflanzliche, d.h. homöopathische Mittel zur Schmerzlinderung. Positionswechsel während der Geburt, Massagen, verständnisvolles Zureden, Kompressen und die Gebärwanne mit warmem Wasser sind weitere Massnahmen, die zur Verfügung stehen, um die Schmerzen zu bewältigen.

Das Schmerzempfinden während der Geburt wird wesentlich durch das Umfeld bzw. die körpereigenen Hormone der Gebärenden beeinflusst. Ein geschützter Rahmen ohne Störungen und die einfühlsame Begleitung der Hebammen tragen genauso wie die Präsenz vertrauter Personen (z.B. Partner, Mutter, Freundin) dazu bei, dass die Gebärende besser mit dem Schmerz umgehen kann und in einen Trance-Zustand eintritt, bei dem Raum und Zeit ganz anders erlebt werden (vgl. dazu auch „Warum natürlich gebären?„).

 

Fragen rund um die Geburt

Kann ich im Geburtshaus die Hebamme frei wählen?

Wir arbeiten im Team nach Schichtplan, deshalb ist dies nicht üblich. Sie lernen viele der Hebammen schon während der Schwangerschaftskontrollen kennen!

Benutzen Sie einen Wehenschreiber (CTG)?
Ja, allerdings nur, wenn wir dafür eine medizinische Indikation haben. Wir überprüfen die  kindlichen Herztöne intermittierend d.h. in regelmässigen Abständen mittels Dopton. Ein Kardiotokogramm (CTG) schränkt die Bewegungsfreiheit der Gebärenden unnötig ein und verhindert eine aktive Wehenarbeit mit Positionswechseln. In der Hebammenwissenschaft gilt es als erwiesen, dass ein CTG keinen Einfluss auf die Sicherheit von Mutter und Kind hat (vgl. Sie dazu den Fachartikel „40 Jahre und kein bisschen weiser – kann das CTG Babys retten?“)

Machen Sie im Geburtshaus einen Dammschnitt?

Nur, wenn dieser medizinisch absolut notwendig erscheint. Weil im Geburtshaus keine beschleunigenden Massnahmen ergriffen werden, hat der Körper genügend Zeit, sich zu dehnen und zu öffnen. Bei uns liegt seit Beginn die Dammschnittrate unter 1%. Vergleichen Sie dazu auch unsere Statistik.

Wer untersucht das Neugeborene?

Direkt nach der Geburt untersucht eine Hebamme das Neugeborene. Falls nötig (spezieller Befund beim Kind) und auf Wunsch der Eltern kommt zusätzlich ein Kinderarzt ins Haus, um das Neugeborene nochmals gründlich zu untersuchen.

Fragen zum Wochenbett

Wie muss ich mir das Wochenbett vorstellen?

  • Liebevolle Betreuung im eigenen Zimmer mit WC/Dusche.
  • Partner jederzeit willkommen (Doppelbett); auch ältere Geschwister dürfen gerne zu Besuch kommen.
  • Eine Hebamme ist jederzeit im Haus und ansprechbar.
  • Anleitung und Beratung beim Stillen sowie bei der Säuglingspflege.
  • Überprüfung Rückbildung / Gesundheitszustand (Frau und Kind).
  • Austrittsgespräch
  • Auf Wunsch nach 6 Wochen Abschlusskontrolle im Geburtshaus.

Wie lange kann/muss ich im Wochenbett bleiben?

Durchschnittlich dauert das Wochenbett vier Tage. Entscheidend für die Bestimmung des Austrittstermins ist das körperliche und psychische/seelische Wohlbefinden von Mutter und Kind.

Übrigens: Sie können auch im Spital gebären und fürs Wochenbett ins Geburtshaus wechseln.

Wie ist es mit der sexuellen Empfindungsfähigkeit nach der natürlichen Geburt?

Immer wieder wird den Frauen unter eingängigen Parolen wie etwa „save your love channel“ vorgegaukelt, dass eine vaginale Geburt die sexuelle Empfindungsfähigkeit verringere. Oft verbergen sich dahinter bestimmte sexuelle Werturteile, die nicht selten aus einer männlichen Perspektive gefällt werden und ein sehr eindimensionales Verständnis von Sexualität vermitteln: Je enger die Frau, desto befriedigender der Sex. Tatsächlich lockern sich Beckenboden und Vagina während Schwangerschaft und Geburt hormonell sowie mechanisch bedingt, doch können diese in der Rückbildung wirksam trainiert werden. Noch viel wichtiger erscheint uns das Wissen, dass eine erfüllte Sexualität viel mehr ist als Penetration: Sie gedeiht dann, wenn echte Intimität und reichhaltige Sinneseindrücke aufeinander treffen.