Aktiv und selbstbestimmt

Leben schenken – eine wunderbare Aufgabe und gleichzeitig eine riesige Herausforderung. Wir laden Sie ein, diese Herausforderung selbstbewusst anzunehmen, auf Ihren Körper zu vertrauen und dessen Bedürfnisse wahrzunehmen.

 

Im Zentrum stehen Sie

„Eine Geburt ist für mich ein Prozess, ein vitaler Lebensimpuls – das Kind macht sich auf den Weg ins Leben. Besser gesagt: Beide, Mutter und Kind, erkämpfen das Leben. Laufen und atmen, da ist dieses urgewaltige Körpergefühl, diese Kraft. Alles ist total konzentriert auf die Körperfunktion. Dieses Pulsieren hat ein Eigenleben, Du bist ganz Körper. Du kannst nur atmen und versuchen, das hinzukriegen. Wie eine Naturgewalt – als stehe man im Auge eines Tornados. Aber der Tornado ist nicht aussen, er ist innen. Und ich war mir sicher, es kann mir nichts passieren. Ich muss nur mitgehen, dann überstehe ich das. Das ist so intensiv zu merken: Ja, ich kann damit umgehen, ich schaffe das, ich halte das aus. Danach kann Dir nicht mehr viel passieren.“

Maria Johanna, 44 Jahre, Unternehmerin und 3-fache Mutter. Zitiert aus: „Unten rum. Die Scham ist nicht vorbei“ von Claudia Haarmann, S. 96, Edition Innenleben, 2005.

Aktiv & selbstbestimmt heisst: Aus eigener Kraft

Eine natürliche Geburt kann harte Knochenarbeit sein. Und manchmal geht alles ganz leicht vonstatten. Wie auch immer die Geburt verläuft: Letztlich ist es die Gebärende selbst, die ihr Kind aus eigener Kraft zur Welt bringt. Im Geburtshaus sind Sie aktiv beteiligt, können Verantwortung übernehmen und Ihr Baby – von den Hebammen aufmerksam begleitet und überwacht – in „Eigenregie“ gebären. Wir können Ihr Kind nicht für Sie zur Welt bringen, aber Sie können es!

Was ist Ihnen wichtig?

Alles was Sie als werdende Mutter stärkt, Ihr Wohlbefinden stärkt und Ihr Vertrauen in die eigene Kraft fördert, wirkt sich günstig auf den Geburtsverlauf aus. Überlegen Sie sich im Voraus, was Ihnen wichtig ist und gut tun würde. Auch unter der Geburt dürfen Sie Ihre Wünsche jederzeit frei und offen äussern:

  • Die älteren Geschwister oder Ihre Freundinnen sollen bei der Geburt dabei sein?
  • Sie haben plötzlich rasenden Hunger und möchten etwas essen?
  • Sie verspüren einen unangenehmen Druck im Kreuz und möchten die Position wechseln?

Nur zu! Wir ermutigen Sie, auf die Signale Ihres Körpers und Ihrer Seele zu achten und uns mitzuteilen, was Sie brauchen. Wir stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite, leiten Sie an und machen passende Angebote. Warme Kompressen, Musik, Tanz, eine Fussmassage, ein bestimmter Duft – im Geburtshaus hat dies alles und noch viel mehr Platz.

Sie übernehmen Verantwortung

Unsere Art der Geburtshilfe setzt voraus, dass Sie bereit sind, die Geburt mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Wer auf seine eigene Gebärfähigkeit vertraut, übernimmt Verantwortung. Dies im Wissen darum, dass im Körper alle Ressourcen vorhanden sind, um die Geburt aus eigener Kraft zu bewältigen. Bei der natürlichen Geburt ist letztlich entscheidend, dass die Frau sich dem Geburtsgeschehen vertrauensvoll hingeben kann und es zulässt, dass ihr Körper die Führung übernimmt.

Viele Schwangere sind in dem Glauben aufgewachsen, dass die Geburt gefährlich und der ‚Schutz‘ durch eine übergeordnete Institution deshalb notwendig sei. Es liegt oft ausserhalb ihrer Vorstellungskraft, dass die Sicherheit im eigenen Körper zu finden ist, und sie kennen auch die Ressourcen nicht mehr, die ihnen zur Verfügung stehen.

Verena Schmid, Hebamme, Dozentin, Buchautorin und Gründerin/Leiterin der „Scuola Elementale di Arte Ostetrica“

Wenn es soweit ist, werden Sie selbst am besten spüren, was Sie brauchen. Deshalb lassen wir uns im Geburtshaus bei der Betreuung bewusst von Ihren Signalen leiten. Wir stehen Ihnen dabei die ganze Zeit mit wachem Blick zur Seite, um Sie und Ihr Baby sicher zu begleiten, und nutzen den reichen Erfahrungsschatz von über 400 Jahren Hebammenwissen.

 

Frau sein, Mutter werden

Der Übergang von der Frau zur Mutter hinterlässt in jeder Biographie Spuren. Die Geburt eines Kindes ist ein Wendepunkt, denn Mutterschaft ist unwiderruflich. Sie verändert eine Frau für immer und zwar in vielerlei Hinsicht: in Bezug auf ihre Lebenseinstellungen, Werte, Entscheidungen und vor allem ihre Gefühle. Gerade für Erstgebärende ist dies ein prägendes Erlebnis.

Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.

Gertrud von Le Fort, deutsche Schriftstellerin (1876 – 1971)

Bereits in der Schwangerschaft tauchen neben der Vorfreude auf das Kind sehr oft auch Fragen und Unsicherheiten auf, für die wir im Rahmen der Schwangerschaftskontrollen ein offenes Ohr haben:

  • Altes wird aufgerührt, etwa die Familiengeschichte, verdrängte Erlebnisse oder die Beziehung mit der eigenen Mutter…
  • Bestehendes gerät in Fluss, Sie ahnen, dass sich das Leben wie Sie es bisher kennen, radikal verändern wird…
  • Neue Türen öffnen sich, es gilt viele Entscheidungen zu treffen und vielleicht stehen plötzlich auch andere Erwartungen an sich selbst und an den Partner im Raum…

In dieser Zeit des Werdens kann viel Nähe und Vertrauen entstehen, sie kann aber auch als grosse Herausforderung erlebt werden. Umso wichtiger ist es, dass Sie das Geschehen in die Hand nehmen, handlungsfähig bleiben und selbstbewusst in Ihre neue Rolle hineinwachsen können.

Im Geburtshaus respektieren wir Ihre persönliche Geschichte und bestärken Sie darin, herauszufinden, was sich für Sie und Ihr Kind richtig anfühlt. Wenn es Ihnen gelingt, die Geburt und damit den Start in die Mutterschaft aktiv und selbstbestimmt anzugehen, schaffen Sie die allerbesten Voraussetzungen für eine tiefe, positive Bindung und einen geglückten Start ins Familienleben.

Übertritt in eine neue Lebensphase

Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft sind in vielen Kulturen mit Ritualen verknüpft, welche die hohe Spiritualität dieser Lebensereignisse unterstreichen. Unsere Arbeitsweise ist darauf abgestimmt und berücksichtigt auch im Wochenbett nicht nur das physische sondern auch Ihr psychisches, emotionales und spirituelles Wohlbefinden.

Und die Väter?

Liebe Männer,

Toll, dass Sie unsere Website besuchen und sich informieren! Sie als werdenden Vater möchten wir im Geburtshaus Zürcher Oberland ausdrücklich und ganz herzlich willkommen heissen. Für Männer ist der Übergang vom Paar zur Familie ebenfalls ein einschneidendes Erlebnis, das sie neu und völlig anders als bisher fordert.

Auf vielen Seiten sprechen wir hier dennoch vor allem die werdende Mutter an. Warum? Weil wir damit unterstreichen möchten, dass es für den guten Verlauf der Geburt mitentscheidend ist, dass Ihre Frau sich sicher und gut aufgehoben fühlt. Darüber hinaus denken wir, dass die von uns zusammengetragenen Informationen auch für Sie interessant und lehrreich sein dürften.

Seien Sie sich bewusst: Die meisten Frauen nehmen bei der Wahl des Geburtsortes Rücksicht auf die Bedürfnisse des Partners. Ob Ihr Kind eine natürliche Geburt erleben darf oder nicht, hängt somit auch von Ihnen als werdendem Vater ab. Deshalb möchten wir Sie einladen, sich aktiv mit dem Thema Sicherheit zu befassen und Ihre Bedürfnisse oder Ängste zur Sprache zu bringen.

Nur die Frauen haben Recht. Die Entbindung ist ihr geheimer Garten!

Frédéric Leboyer, frz. Arzt und Geburtshelfer (1918 – )

Oft braucht es eine gehörige Portion Mut, auf die Intuition der Partnerin zu vertrauen… Für Ihre persönlichen Fragen ist beim Info-Besuch und bei der Schwangerschaftsvorsorge jederzeit Platz, und auch während der Geburt hat die Hebamme ein offenes Ohr für Sie als werdenden Vater; häufig gestellte Fragen haben wir hier für Sie zusammengefasst, Testimonials von anderen Eltern finden Sie hier.

Den meisten Gebärenden gibt die Anwesenheit des Partners bzw. dessen liebevolle Begleitung viel zusätzliche Kraft und stärkt die Bindung als Paar. Auch wenn die Frau letztlich die Geburt aus eigener Kraft bewältigen muss: Das stille Mit-Ihr-(Aus-)Halten, ermutigende Worte, Anerkennung für ihre Leistung, Verständnis, Geduld, Zärtlichkeit und gemeinsames Staunen sind auf dem Weg dorthin eine grosse Bereicherung.

Wir beziehen Sie als werdenden Vater ganz selbstverständlich in das Geburtsgeschehen mit ein. Wir respektieren es aber auch, wenn Sie in den Ausstand treten oder das Geburtszimmer vorübergehend verlassen möchten. Es ist uns wichtig, dass Sie aus freien Stücken da sein und das Wunder der Geburt mit offenem Herzen miterleben können.