„Ich bin von Herzen dankbar, dass wir in absoluter Ruhe gebären konnten“

Ein Geburtsbericht von:

  • Sabrina, 34 Jahre, Hausfrau und Primarlehrerin, Hobbygärtnerin und Kräuterfrau
  • Christoph, 34 Jahre, Schreiner, Hobbyreiter und Gespannfahrer, Naturmensch
  • Janis, 4 ½ Jahre, im Geburtshaus geboren, Baggerführer, tagaus und tagein im Sandkasten zu finden
  • Malin, 2 ½ Jahre, im Geburtshaus geboren, Mami von Puppe Silia und Sarah, kann stundenlang schaukeln
  • Finn, 10 Monate, im Geburtshaus geboren, am liebsten mit auf der Baustelle von Bruder Janis

 

Das erste Mal erfuhr ich von einem Geburtshaus von einer Arbeitskollegin. Sie hatte ihr erstes Kind im Spital geboren, empfand die Atmosphäre dort aber nicht passend für die ersten Tage nach der Geburt und wechselte mit ihrem Kind ins Geburtshaus.

Als ich anfangs 2010 schwanger wurde, kam mir der Bericht dieser Mutter wieder in den Sinn. Ich spürte das Wunder in meinem Bauch heranreifen und machte mich auf die Suche nach dem geeigneten Geburtsort. So entschieden wir uns, das Geburtshaus Zürcher Oberland und zwei Spitäler anzuschauen, um uns ein eigenes Bild machen zu können.

Nach der Besichtigung im Geburtshaus war der Fall dann jedoch klar. So hatten wir uns den Ort für die Geburt unseres Kindes vorgestellt! Die Werte, die das Geburtshaus vertritt, von einer natürlichen, selbstbestimmten Geburt, im eigenen Rhythmus und ohne unnötige Eingriffe, waren genau das, was wir uns wünschten.

In keinem der Spitäler kamen diese Werte so klar zum Ausdruck wie beim Geburtshausbesuch, viel eher kam Sicherheit in Form von medizinischen Eingriffen zur Sprache. Das Vertrauen, das die Hebammen beim Besuchstag ausstrahlten, überzeugte uns weit mehr als alles, was wir im Spital zu hören bekamen. Darauf machten wir gleich einen Termin für das Eintrittsgespräch ab. So sassen wir wenige Zeit später das erste Mal im Untersuchungszimmer “Mutterblume“ und fühlten uns als werdende Eltern verstanden in unseren Fragen und Unsicherheiten, teilten Vorfreude und spürten, angekommen zu sein.

Wir entschieden uns, soweit möglich die Betreuung den Hebammen in die Hände zu geben, da wir ihre Erfahrung, Kompetenz und das Vertrauen in uns spürten und uns verstanden fühlten. Bei der 2. und 3. Schwangerschaft liessen wir uns gleich von Anfang an von den Geburtshaushebammen betreuen. Die einfühlsame, warmherzige und persönliche Betreuung durch die Hebammen entsprach sehr unserer Vorstellung von einer selbstbestimmten Schwangerschaft und Geburt. Wir freuten uns sehr über die gute Aufklärung zu den diversen Schwangerschaftsthemen und Untersuchungen. Klar wurde einem erklärt, warum was gemacht wird und was auch weggelassen werden kann. Wir merkten bald, dass wir in vielen Bereichen besser informiert waren, als Bekannte von uns, die zur gleichen Zeit ein Kind erwarteten und die Untersuchungen bei Gynäkologen machten. Das Schöne an den Kontrollen im Geburtshaus ist, dass sich die Hebammen viel Zeit für Fragen und Anliegen nehmen und man gestärkt wird, auf sich selbst und die eigene Wahrnehmung zu vertrauen.

Durch dieses Sich-Zeit-Nehmen der Hebammen wird man bereits während der Schwangerschaft gut auf die bevorstehende Geburt vorbereitet. So erlebten wir drei wunderschöne Geburten. Nach der ersten Geburt, die viel Zeit gebraucht hat, war ich überzeugt, dass wir diese Zeit im Spital nicht bekommen hätten und viel früher eingegriffen worden wäre. Überglücklich, dass ich natürlich gebären durfte, wurde mir klar, was für eine wertvolle Erfahrung man den Frauen nimmt, die nicht natürlich gebären dürfen. Schmerzlich wurde mir bewusst, dass viele aus Angst auf diese Erfahrung verzichten und wenig Vertrauen in sich und ihren Körper haben. Wie recht der französische Geburtshelfer M. Odent hat, wenn er sagt: „Zeigt mir, wie eure Frauen gebären und ich sage euch, in was für einer Gesellschaft ihr lebt.“

So tragen wir in unserem Herzen eine wundervolle Erfahrung mit uns. Den Start ins Leben in einer warmherzigen, farbigen, ruhigen Atmosphäre ohne unnötige Eingriffe prägt das Leben von Mutter, Vater und Kind. Die individuelle 1:1 Betreuung unter der Geburt und die stützenden, starken Hände meines Mannes, die stets da waren, liessen mich ohne Angst gebären. Keinen Moment zweifelte ich, den richtigen Ort gewählt zu haben. Und ich bin von Herzen dankbar, dass wir in absoluter Ruhe gebären konnten.

Die Zeit im Wochenbett habe ich sehr genossen. Beim ersten Kind verbrachte auch mein Mann die Zeit im Geburtshaus und so lernten wir alle Handgriffe rund ums Elternsein von Anfang an gemeinsam und wir konnten gleich als Team ins Familienleben starten. Ein Start, den ich mir für unser Kind gewünscht habe. Was ich alle drei Male im Wochenbett sehr genossen habe, ist die Rückzugsmöglichkeit in ein wunderschönes, farbiges Zimmer, wo wir allein sein konnten. Ich könnte mir nicht vorstellen, diesen Moment des Kennenlernens in einem Spitalzimmer mit weiteren Frauen teilen zu müssen. Gleichzeitig habe ich den Austausch beim köstlichen Essen in persönlicher Atmosphäre geschätzt.

Durch die persönliche Betreuung der Hebammen bleibt viel Zeit, Fragen zu stellen, die Kunst des Stillens zu lernen und die Geburt zu verarbeiten. Ich wünsche mir für alle Mütter und Väter, dass sie die Geburt ihrer Kinder als solch wundervolle Erfahrung erleben dürfen, die das Leben verändert und prägt. Und allen Kindern, die das Licht der Welt erblicken, wünsche ich eine Atmosphäre, die diesem besonderen Moment gerecht wird.

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