„Das Wochenbett: einfach ein Träumli!“

Ein Elternbericht von Ursina Kappenberger und Tochter Uma

 

Alles begann mit einem Besuch im Geburtshaus. Umas Papa – der Sohn einer Krankenschwester mit Karriere – konnte sich nicht vorstellen, dass sein Kind irgendwo anders als im Spital zur Welt kommen würde. „Sicherheit“ muss sein! Schon mit meinem damaligen Wissen war mir jedoch klar, dass ich nicht krank bin und so hätte ich im Spital nichts verloren. Ich würde ein Kind zur Welt bringen, ein natürlicher Prozess, wofür wir Frauen gemacht sind!

Also liess sich Papa dazu überreden, doch einen Besuch zu wagen. Er war wie ich von den Einrichtungen völlig fasziniert, und dachte dann plötzlich: „Also wenn’s hier geht, dann auch zu Hause!“ Kurz wurde also eine Hausgeburt zum Thema, aus diversen Gründen sollte die dann aber doch nicht sein. So freuten wir uns alle auf das wunderschöne, so liebevoll eingerichtete Geburtshaus.

Von Freundinnen hatte ich schon davon erfahren und nur Gutes darüber gehört. Von da an freuten wir uns auf jede Kontrolle, wir freuten uns, jedes Mal eine neue Hebamme kennen zu lernen, und werweissten, ob es vielleicht die Begleiterin unserer Geburt sein wird. Dass ich nicht wusste, welche Hebamme tatsächlich bei der Geburt Dienst haben wird, störte mich nicht. Ich sagte mir, es wird schon die Richtige da sein! Schliesslich unterstütze ich das Modell der Schichtpläne des Geburtshauses. Die Kinder einer Hebamme sind wohl auch froh zu wissen, dass ihre Mama zu gewissen Zeiten da ist, und nicht immer im Ungewissen leben, ob Mama dann echt da ist oder nicht.

Die richtige Hebamme war dann tatsächlich da. Anne, die übrigens auch schwanger war, tauchte um 8 Uhr morgens plötzlich auf. Ich hatte da bereits einen Marathon hinter mir, erste Wehen hatte ich 35 Stunden zuvor, also am Abend, zwei Tage vorher. Da fuhren wir ein erstes Mal ins Geburtshaus, verbrachten dort eine schlaflose Nacht und wurden am nächsten Mittag, nach einem entspannenden Bad, wieder nach Hause geschickt, denn die Wehen hatten wieder abgenommen. Das war mir recht, denn im Geburtshaus zu „warten“ schien mir noch länger, wenn das Baby noch nicht kommen will.

Anne hat mich dann gut durch den zweiten Marathon begleitet. Drei Stunden später, kurz vor 11:00 Uhr, war Uma dann endlich da! Das Gute am Geburtshaus war für mich, dass es da keine medizinische Unterstützung gibt. Denn wenn die PDA einfach da gewesen wäre, wäre sogar ich im Moment – macht doch ohne mich weiter – auf die Idee gekommen, danach zu verlangen.

Das Wochenbett: einfach ein Träumli! Wir haben es so sehr genossen, uns so verwöhnen zu lassen und uns in das neue Leben mit diesem kleinen Wesen sanft und Schritt für Schritt einführen zu lassen. So kleine Details, wie die eingelegte Dörr-Feige, die für mich zur Entstopfung beim Frühstück bereit lag, zur Zinkhütchenausleihe, Einführung in die Quarkwickel, usw. genoss ich sehr. Dazu hatten wir das Glück, fast alleine im Haus zu sein, so hatten wir sozusagen rund um die Uhr eine Hebamme, die ganz für uns da war. Nicht zu vergessen die feinste biologische Küche, die auf uns Wöchnerinnen abgestimmt ist – und all das erst noch viel günstiger als eine von Ärzten betreute Spitalgeburt!

Vor dem Austritt haben wir uns das Familienbad im Geburtspool geleistet. Papa erfreute sich am Champagner und den Chips, Mama am warmen Wasser und Uma hielt glaube ich noch nicht so viel davon.

Wir sind dem Geburtshausteam sehr dankbar, uns einen so sanften und natürlichen Einstieg ins Familienleben ermöglicht zu haben. Wenn wir davon erzählen, schwärmen wir weiterhin davon. Meine Eltern kamen aus dem Tessin zu Besuch, auch sie waren völlig fasziniert und sind nun aktive Unterstützer des Vereins „nascere bene“, der an der Eröffnung des ersten Geburtshauses im Tessin arbeitet.

Uma feierte bereits ihren 14. Geburtsmonat, sie zieht fröhlich durch die Welt und ist unser grösster Sonnenschein! Ihr Geschwisterchen kommt in den nächsten Tagen… Es wäre für mich ein Grund gewesen, erst nach der Geburt vom zweiten Sonnenschein aus der Region zu ziehen, um nochmals im Geburtshaus Zürcher Oberland zu gebären. Doch wir dachten uns, dass die Züglerei wohl mit zwei kleinen Babys noch strenger wäre als mit einem Kleinkind und einer hochschwangeren Frau… Also wird es das nächste Mal, auch in Liebe zu Uma, eine Haus-, besser Wohnungsgeburt geben.

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