„Dem Sein und Werden wird grosse Aufmerksamkeit geschenkt“

Melanie und Michi Hediger sind die Eltern von Dario (6.8.2012) und Nick (1.12.2014). Als sie ihren zweiten Sohn erwarteten, entschieden sie sich für eine Geburt im Geburtshaus.

 

Die Geburt war wunderschön! Es war anstrengend und eine Grenzerfahrung und doch wunderschön. Wir sind am Sonntagmorgen im Geburtshaus angekommen und konnten gleich noch einen Spaziergang machen, um die Wehen noch ein wenig mehr in Gang zu bringen. Das half wirklich gut. Danach gingen wir aufs Zimmer und die Wehen waren fast wieder weg. Wir haben uns entschlossen, noch einmal nach Hause zu gehen… Was für ein Frust, wir dachten doch, dass es jetzt los geht!

Melanie, wie bist Du zum Geburtshaus gekommen und welche Beweggründe haben Dich veranlasst, hier euer Kind zu gebären?

Als ich vor vielen Jahren eine Wöchnerin im Geburtshaus besuchte, hatte ich gleich ein wohlig warmes Gefühl. Als es dann bei uns soweit war, kam eine grosse Portion „Gwunder“ und ein Gefühl von Urvertrauen dazu. Bei der Geburt von Dario (im Spital) haben wir nicht so gute Erfahrungen gemacht. Wir fühlten uns einfach nicht so gut aufgehoben, da haben wir uns für das Geburtshaus entschieden.

Die Vorstellung einer 1:1-Betreuung gefiel uns sehr gut und auch die ganze Atmosphäre im Gebärzimmer war so viel schöner und hatte schon fast etwas Romantisches. Es gibt keine „sterilen“ Zimmer, es ist alles mit so viel Liebe und Wärme gestaltet. Für die Zeit des Wochenbetts hat es Einzelzimmer mit einem grossen Bett, das auch noch Platz für den Vater und allenfalls Geschwister bietet.

In den Kontrollen und dann später bei der Geburt/im Wochenbett kommen weitere Unterschiede zum Spital zum Vorschein: Alles rund um die Geburt ist ein Wunder, und so wird auch alles behandelt. Im Geburtshaus wird dem ganzen „Ereignis“ mit grosser Würdigung und Demut entgegengetreten. Die ganze werdende Familie steht im Mittelpunkt und es wird dem Sein und Werden grosse Aufmerksamkeit geschenkt.

Wie hast Du die Schwangerschaft mit Nick erlebt?

Ich hatte eine tolle und wunderbare Schwangerschaft. Ich fühlte mich von Anfang an pudelwohl. Da es die zweite Schwangerschaft war und auch Dario seine Aufmerksamkeit forderte, konnte ich die Schwangerschaft nicht mit so viel Aufmerksamkeit geniessen, wie ich mir das vorgestellt habe. Die ersten Untersuchungen machte die Hebamme, welche uns bereits im Wochenbett bei Dario betreut hatte. Als wir uns entschieden hatten, im Geburtshaus zu gebären, was ungefähr in der 20. Schwangerschaftswoche war, hatten wir die weiteren Untersuchungen im Geburtshaus. Dabei war mir wichtig, dass ich schon möglichst viele der Hebammen und auch die Räumlichkeiten kennenlernen konnte.

Die Betreuung war einfach wundervoll. Es war alles immer so normal und es hatte alles seinen Platz. Sie haben alle Fragen und Ängste sehr ernst genommen und konnten mir immer eine Antwort geben und haben auch immer alles so erklärt, dass ich es verstanden habe. Wir haben den Geburtsvorbereitungskurs für Mehrgebärende besucht und ich habe die Bücher „Die selbstbestimmte Geburt“ und „Hypnobirthing“ gelesen. Ich habe mich immer wieder daran erinnert, wie Darios Geburt verlief und habe durch das Lesen der Bücher herausgefunden, dass auch bei Dario einiges anders und einfacher hätte gehen können.

Was möchtest Du zu Nicks Geburt sagen?

Die Geburt war wunderschön, wobei ich mir nie vorstellen konnte, dass eine Geburt richtig schön sein kann. Es war anstrengend und eine Grenzerfahrung und doch wunderschön. Wir sind am Sonntagmorgen im Geburtshaus angekommen und konnten gleich noch einen Spaziergang machen, um die Wehen noch ein wenig mehr in Gang zu bringen. Das half wirklich gut. Danach gingen wir aufs Zimmer und die Wehen waren fast wieder weg. Wir haben uns entschlossen, noch einmal nach Hause zu gehen… Was für ein Frust, wir dachten doch, dass es jetzt los geht! Zu Hause konnte ich noch einmal richtig tief und gut schlafen und die Wehentätigkeit nahm wieder zu. Meine Schwester war noch zu Besuch und wir haben uns entschieden, dass Dario zu ihr darf, falls es in der Nacht los gehen würde. Wir machten uns etwas zu Essen und entspannten uns noch etwas.

Gegen Abend wurden die Wehen wieder stärker, so dass wir gegen halb elf abends wieder im Geburtshaus ankamen. Sonia (unsere Hebamme) öffnete die Tür und meinte, dass wir uns wohl gleich ins Gebärzimmer begeben werden. Ich war froh über diese Aussage, da dies bedeutete, dass es wirklich vorwärts geht. Ich durfte vor dem Geburtszimmer die Kerze anzünden, damit alle im Haus wussten, dass in diesem Zimmer gerade eine Geburt im Gange ist. Sonia hat uns zuerst etwas zu trinken angeboten und danach hat sie mich untersucht. Ich konnte dann auch gleich in die Wanne und konnte mich soooo gut entspannen, Sonia hat noch Hintergrundmusik eingestellt und das Licht war schön gedimmt, wie in eines Wellnessoase. Ich bekam eine Massage im Kreuz gegen die Schmerzen.

Sonia hat mir geholfen, richtig zu atmen und wenn ich es vergessen hatte, erinnerte sie mich daran. Sonia war die ganze Zeit bei uns, wenn wir sie gebraucht haben, aber sonst hielt sie sich im Hintergrund, so dass wir das Ganze für uns genießen konnten.

Wie war das Geburtserlebnis für Dich, Michi, als Melanies Ehemann?

Als erstens möchte ich erwähnen, dass für uns Männer die Geburt genau so anstrengend, wie für die Frauen ist. Vielleicht nicht physisch, aber die Psyche und die Nerven der Männer werden bei der Geburt doch arg strapaziert.

Der grosse Wunsch meiner Frau war es, die Geburt von Nick im Geburtshaus zu erleben. Für mich war der Gedanke, dass keine Ärzte im Haus sind, sollten Komplikationen auftreten, immer präsent, und daher kam für mich die Variante Geburtshaus eher nicht in Frage. Um dem Wunsch meiner Frau entgegen zu kommen, (sie gebärt ja, also muss es ihr zu 100% wohl sein) besuchten wir den Vorbereitungs-/ Auffrischungskurs im Geburtshaus. Dabei wurden mir die Augen geöffnet und mir wurde nochmals gezeigt, dass eine Geburt eine natürliche Sache ist, bei denen Komplikationen einen sehr kleinen Teil ausmachen.

Nach dem Kurs war ich zu 100% für eine Geburt im Geburtshaus! Darum würde ich jedem Paar empfehlen, gemeinsam an einem Geburtsvorbereitungskurs teilzunehmen. Es hat mir sehr viel gebracht – und mir auch gezeigt, mit wie viel Herzblut die Hebammen, Köchinnen, und das ganze Team im Geburtshaus arbeitet. Fragt mich heute jemand, was ich ihm empfehlen würde, dann würde ich ihm raten, die Geburt im Geburtshaus zu erleben.

Die Atmosphäre bei der Geburt war so entspannt, man kommt völlig gestresst beim Geburtshaus an, mein Puls war bei 180, und unsere Hebamme Sonia schaffte es, uns zu beruhigen und uns langsam auf die Geburt vorzubereiten. Durch die 1:1 Betreuung der Hebamme fühlt „Mann“ sich nie alleine oder im Stich gelassen. In einem Krankenhaus hat man eher das Gefühl, abgefertigt zu werden. Dieser Gedanke kommt im Geburtshaus nicht einmal zum Tragen, man wird liebevoll betreut, vor, während und nach der Geburt. Nach der Geburt kann man den Moment als Familie in vollen Zügen geniessen, und zwar in dem Zimmer, wo man den grossen Moment erlebt hat. Ohne das Gefühl zu haben, man müsse gleich wieder für die Nächsten Platz machen.

Zum Schluss möchte ich mich beim ganzen Geburtshaus Team bedanken. Ihr macht einen super Job! Ich hoffe für alle, die in Zukunft eine Geburt vor sich haben, dass sie sich für die Variante Geburtshaus entscheiden, und dass es euch noch lange gibt. Ich werde Werbung für euch machen! Ein ganz grosses Lob an die Hebammen, die ihre Arbeit sehr professionell erledigen. Man hat nie das Gefühl, dass sie ihren Beruf machen müssen, sondern man sieht, dass sie es mit sehr viel Liebe machen! EIN HERZLICHES DANKESCHÖN, ich werde euch immer in bester Erinnerung behalten.

Melanie, was war Dir wichtig für die Geburt und das Wochenbett?

Für mich war es wichtig, in einer angenehmen Umgebung zu gebären. Die 1:1 Betreuung der Hebamme war toll! Mir war auch wichtig, dass die Geburt so voran geht, wie es das Kind und mein Körper bestimmen. Eigentlich war das ja schon immer das Normale, ein Kind in einem Geburtshaus zu bekommen. Durch die Unsicherheit meines Mannes haben wir uns bei der ersten Geburt für das Spital entschieden.

Ich hatte für die Geburt von Nick keine speziellen Wünsche, da ich etwas Angst hatte, mich zu fest auf diese Wünsche zu versteifen. So liess ich einfach alles auf mich zukommen, so wie es war. Ich habe mich super betreut gefühlt. Die Hebammen hatten immer Zeit, wenn man Fragen hatte, es ging immer alles ruhig zu und her. Ich hatte nie das Gefühl, die Hebamme müsste schon wieder an einem anderen Ort sein. Wir wurden sehr gut umsorgt. Wir waren einfach gut aufgehoben und konnten uns sehr gut erholen, so dass wir fit in den Alltag zu Hause starten konnten.

Wie hast Du das Wochenbett im Geburtshaus Zürcher Oberland erlebt?

Das Wochenbett ist wie Ferien. Es wird immer wunderbar gekocht. Es ist genug Zeit zum Sein und Werden und das Kind kennenlernen, es ist schön ruhig und die Einzelzimmer sind der Hammer, so konnte auch unser Dario immer bei uns sein. Und wir mussten uns nie Gedanken machen, ob sich die Bettnachbarin wohl daran stört. Ich konnte so viel von der Geburt schwärmen, und konnte dies so vielen Leuten mitteilen. So kam das wunderschöne Erlebnis immer wieder hoch und lodert heute noch wie ein wärmendes Feuer in mir und gibt mir in schweren Zeiten immer wieder Kraft und Mut.

Möchtest Du noch etwas Abschliessendes mitteilen?

Macht alle wieder einen Schritt zurück zum Ursprung. Wir Frauen, und vor allem unsere Körper, sind gemacht, um Kinder zu gebären. Die Natur hat alles so perfekt eingerichtet. Vertraut darauf und hört wieder mehr auf euren Körper. Ich musste dies auch wieder lernen und mit den Schwangerschaften und der Geburt kam dies alles wieder. Wir sind schwanger und bekommen Kinder, wir sind nicht krank. Vertraut euch einer Hebamme an, schon vor der Geburt. Das Wissen einer erfahrenen Hebamme ist gewaltig.

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