„Der Erholungswert ist um ein Vielfaches höher“

Katrin, die als Lehrperson an einer Berufsfachschule unterrichtet, und ihr Mann Alex, der als stellvertretender Wohngruppenleiter in einer Behinderteneinrichtung tätig ist, leben seit 2002 in der Schweiz. Das letzte ihrer vier Kinder im Alter zwischen 2 und 11 Jahren kam per Kaiserschnitt im Spital zur Welt. Für das anschliessende Wochenbett zügelten Mutter und Kind ins Geburtshaus Zürcher Oberland.

 

Mittlerweile hatte ich einiges vom Geburtshaus gehört. Frauen, die davon schwärmten bzw. für die klar war, bei einem nächsten Kind wieder ins Geburtshaus zu gehen. Als sich dann unser viertes Kind ankündigte, war für mich schnell klar: Mindestens das Wochenbett möchte ich dort verbringen. Für eine Geburt war ich aufgrund der vorangegangenen Geburten einfach zu unsicher.

Wir, Alex und Katrin sind seit 15 Jahren verheiratet und leben seit 2002 in der Schweiz. Im Jahr 2004 kündigte sich unser erstes Kind an und im Dezember kam Joas auf die Welt. Die Geburt war kompliziert und für mich als Frau traumatisch, da aufgrund abnehmender Herztöne und ungenügenden Wehen jeweils zwischen den Wehen geschnitten wurde. Bis heute höre ich mich selber in dieser Situation. Ich war dann fünf Tage im Wochenbett im Spital. Zu Hause wurde ich eine Woche lang von meiner Mutter unterstützt, was sehr hilfreich war, da doch eine grosse Verunsicherung bestand – schliesslich war es das erste Kind.
Bereits 2006 überraschte uns eine nächste Schwangerschaft und im Januar 2007 kam nach einer tollen Schwangerschaft unsere Tochter Mia im Wasser zur Welt. Eine traumhafte Geburt im Spital. Bereits nach 1,5 Tagen ging ich wieder heim, weil es mir so gut ging. Unser drittes Kind kam unter schwierigen Umständen in Deutschland zur Welt. Paul war sehr gross und schwer, der Muttermund öffnete sich nur sehr langsam und eine Blaseneröffnung brachte eher Rück- als Fortschritte. Als das Köpfchen dann geboren war, blieb er mit den Schultern hängen und der Kreissaal füllte sich mit Fachleuten. Am Ende haben wir es geschafft.

Den Geburtsvorbereitungskurs in der vierten Schwangerschaft hatte ich bereits im Geburtshaus gemacht und konnte so schon einen ersten Kontakt herstellen. Mich hat beeindruckt, wie selbstverständlich und natürlich mit dem Thema Geburt umgegangen wird. Und mir wurde der Unterschied zum Spital sehr stark bewusst. Hätte ich mich beim ersten Kind für das
Geburtshaus entschieden, wäre sicher manches anders gelaufen. So war für mich zunehmend klar, beim letzten Kind möchte ich das Geburtshaus erleben!

Die Schwangerschaft verlief weitgehend komplikationsfrei. Eine fachlich kompetente Betreuung hatte ich durch meine Frauenärztin und einer Hebamme, welche mich schon bei unserem zweiten Kind betreut hatte. Sie zu kennen und zu wissen, dass sie Zeit für mich hat, entlastete mich sehr. Zur Vorbereitung auf die Geburt las ich mehrere Bücher, recherchierte und kam zum Vorbereitungskurs ins Geburtshaus. Dabei wurde immer wieder klar, dass ich das Trauma der schwierigen Geburten nicht einfach so ablegen kann. Vermutlich hätte ich das schon weit im Voraus angehen müssen, wofür mir aufgrund der Familiengrösse einfach nicht die Zeit blieb. Damit war auch klar, dass ich für die Geburt und alle Eventualitäten ins Spital gehen würde.

Das Vorgespräch fürs Wochenbett im Geburtshaus empfand ich als sehr ermutigend, keinesfalls aufdrängend und sehr warmherzig. Diese Fürsorge und Warmherzigkeit den Frauen gegenüber war eines der tollsten Erlebnisse im Geburtshaus. Die Geburt rückte näher und wie schon bei unserer ersten Tochter ging es erstmal über den Termin hinaus. Nach dem letzten Termin bei der Frauenärztin am 20. Januar begannen in der Nacht regelmässige Wehen, wenn auch mit grossen Abständen. Den ganzen folgenden Tag war ich damit beschäftigt, die Wehen am Laufen zu halten. Mal waren sie regelmässig und kräftig, zwischendurch wieder weniger. Ein hin und her. Innerlich spürte ich jedoch, dass sie zu wenig Wirkung hatten. Am Abend – also nach knapp 24 Stunden Wehen – fuhren wir ins Spital. Wir hatten alle 3 Kinder versorgt und waren gedanklich auf Geburt eingestellt. Aber auch eine grosse Angst machte sich breit. Der Befund war mehr als ernüchternd, der Muttermund hatte sich auf 2 cm geöffnet. Alternativ hätten wir wieder nach Hause gehen können, was ich in meinem Zustand aber nicht mehr wollte. Immer wieder wurde ich von kräftigen Wehen übermannt. Die langen Abstände kamen und brachten uns nicht den gewünschten Erfolg. Mein Kräftepotenzial war ziemlich zusammengeschrumpft und ich äusserte die Möglichkeit eines Kaiserschnittes, da aus medizinischen Gründen eine PDA unmöglich war. Verständlicherweise rieten mir die Hebammen davon ab. Nachdem ich jedoch von den anderen Geburten erzählte, stiess ich auf Verständnis für meine Entscheidung.

Nach einer gewissen Bedenkzeit und der Tatsache, dass es im Geburtsverlauf nicht wirklich voranschritt, entschieden mein Mann und ich uns für einen „geplanten“ Kaiserschnitt. Schliesslich wurde alles in die Wege geleitet und mein Mann fuhr in den frühen Morgenstunden nach Hause, um die Kinder zu übernehmen. Für ihn war es sehr befremdlich, nach Hause zu gehen und wieder zu kommen, ohne dass das Kind geboren ist. Bei den anderen Kindern kam er mit den Geschwistern ins Spital, um die Mama und das Baby zu besuchen. Diesmal kam er und musste warten, bis die OP stattfinden konnte. Gegen 12 Uhr mittags war es dann soweit. In Vollnarkose wurde der Kaiserschnitt durchgeführt und mein Mann durfte diesmal das Baby als erster sehen und in den Arm nehmen. Trotz der Umstände ein schönes Gefühl, sagt er rückblickend. Unsere Tochter hatte ein paar Anpassungsschwierigkeiten, benötigte Unterstützung und Sauerstoff, aber ansonsten war alles in Ordnung. Es war geschafft, unsere Tochter Nele war da. Wir freuten uns riesig. Auch unsere anderen Kinder waren stolz.

Nun stellte sich die Frage nach dem Aufenthalt im Geburtshaus. Man hört viel über das „Danach“ von einem Kaiserschnitt, kann es sich aber kaum vorstellen, bis man es selbst erlebt hat. Am Abend nach der OP versuchte ich, mit Hilfe der Schwester, aufzustehen, mit dem Ergebnis, dass ich keinesfalls am folgenden Tag ins Geburtshaus umziehen würde, da ich weder richtig laufen, geschweige denn Treppen steigen konnte. Da mein Mann bereits im Vorfeld Kontakt mit den Hebammen im Geburtshaus aufgenommen hatte, rief er dort an, um abzusagen. Glücklicherweise liessen sie sich nicht sofort abschütteln und ermutigten uns, doch noch zuzuwarten und am nächsten Tag nochmals zu telefonieren. Die erste Nacht im Spital war recht schwierig, ich konnte aufgrund meiner Unzulänglichkeit Nele nicht aus ihrem Bett nehmen, nicht selber aufstehen und hatte zudem eine sehr geforderte Nachtschwester. So war an Schlaf und Erholung nicht zu denken. Im Verlauf vom nächsten Tag besserte sich manches.

Mit Hilfe der Schwester übte ich laufen, konnte mein Kind jedoch zum Stillen nicht selber herausnehmen. Ich wünschte mir den Aufenthalt im Geburtshaus. Und so liess sich Alex dort ein mögliches Zimmer zeigen, bereitete alles vor und als es dann hiess, das Essen würde auch aufs Zimmer gebracht werden, war klar, dass wir dorthin umziehen. Er war als Mann total begeistert und hatte ein gutes Gefühl, mich dem Haus anzuvertrauen. So durfte ich nach insgesamt drei Nächten im Spital in ein herrliches Zimmer mit eigener Dusche und WC, einem grossen Bett und traumhaftem Ausblick umziehen. Nele schlief neben mir im Bett – das wäre im Spital gar nicht gegangen. Die Hebammen umsorgten mich, nahmen mich sehr ernst und halfen, wo es nötig und erwünscht war. Niemand stellte meine Entscheidung in Frage. Sehr wohlwollend und in die Kräfte der Frauen vertrauend habe ich alle dort arbeitenden Hebammen erlebt. Ihre Fürsorge den Frauen und Familien gegenüber beeindruckt mich bis heute.

Ihre Zurückhaltung ermöglichte mir, mich zu erholen, zu schlafen, wann es nötig war. Das feine und auf die Bedürfnisse der Frauen abgestimmte Essen trug ebenfalls dazu bei, dass ich wieder zu Kräften kam. Einige Mahlzeiten konnten wir sogar als ganze Familie einnehmen, was uns Eltern sehr entlastet hat. Im Spital kommt dauernd jemand ins Zimmer: zum Putzen, zum Essenswünsche erfragen, zum Werbung verteilen, zum Temperatur messen usw. Im Geburtshaus durfte Erholung in meinem Rhythmus stattfinden. Ich hatte Zeit, für Nele und Zeit für mich, zum Kraft sammeln, für den Alltag in unserer grossen Familie. Ohne die vier Tage im Geburtshaus hätte ich wohl noch viel länger gebraucht, um mich zu erholen. Ich bin bis heute dankbar, dass die Hebammen an uns dran geblieben sind und uns ermutigt haben, zu kommen. Der Erholungswert ist um ein Vielfaches höher.

Heute bin ich stolze Mama von vier Kindern zwischen 24 Monaten und 11 Jahren. Auch wenn unsere Kinderplanung abgeschlossen ist, kann ich nur empfehlen, das Geburtshaus auszuprobieren. Manchmal, wenn es gar zu turbulent zu und her geht, erinnere ich mich gern an die Oase für mich als Frau, für vier Tage „Einfach Sein“ dürfen, umsorgt zu werden ohne bedrängt zu werden. Vielen Dank an euch Frauen im Geburtshaus und macht weiter so – es ist so wichtig für die Frauen!

> Zurück zur Übersicht