„Die Unterschiede zum Spital sind vielfältig“

Die Pflegefachfrau Andrea Röhren hat zwei Buben und ein Mädchen im Alter zwischen 5 Jahren und 4 Monaten. Alle ihre Kinder haben verschiedene Geburtsorte, eines ist im Universitätsspital, eines im Geburtshaus Andelfingen und eines im Geburtshaus Zürcher Oberland zur Welt gekommen.

 

Andrea, was hat Dich bewogen, im Geburtshaus Zürcher Oberland gebären zu wollen?

Wir haben bei den Geburten unserer ersten beiden Kinder den Unterschied zwischen Spital und Geburtshaus deutlich erlebt. Da das Geburtshaus Andelfingen leider mittlerweile geschlossen ist, haben wir uns für die dritte Geburt nach einer Alternative umgesehen und sind so zum Geburtshaus Zürcher Oberland gekommen. Entscheidend war für uns, dass ich eine problemlose Schwangerschaft erleben durfte und die Kriterien für eine Geburtshaus-Geburt erfüllte. Ein sehr wichtiges Kriterium für unsere Wahl war zudem vor allem auch die Möglichkeit, das Wochenbett im Geburtshaus verbringen zu können.

Wie unterscheidet sich Deiner Meinung nach das Geburtshaus von einem Spital?

Die Unterschiede von Spital und Geburtshaus sind vielfältig: die Atmosphäre im Geburtshaus ist viel ruhiger, positiver, persönlicher und auch feierlicher als im Spital. Der Gebärenden wird mehr Zeit gelassen – es muss nicht alles nach Zeitplan gehen. Die Hebamme betreut nur eine Gebärende und muss so nicht dauernd das Zimmer verlassen. Die Hebammen im Geburtshaus sind äusserst engagiert und arbeiten nicht fix nach Schichtplänen. Im Geburtshaus wird das Vertrauen in den eigenen Körper und in die Natur gestärkt. Sehr schön finde ich den Brauch, dass während einer Geburt eine Kerze vor dem Gebärzimmer brennt.

Wie hast Du diese letzte Schwangerschaft erlebt?

Ich hatte eine gute und soweit komplikationslose Schwangerschaft. Die meisten Kontrollen haben bei meiner Gynäkologin stattgefunden. Einerseits, weil ich lange noch nicht wusste, wo ich gebären würde und andererseits, weil der Weg ins Geburtshaus für mich relativ weit war. Ich habe die Kontrollen alle gut erlebt. Dass jedes Mal eine andere Hebamme anwesend war, hatte sowohl Vor- als auch Nachteile.

Wie hat sich Deine letzte Geburt zu den Vorangehenden unterschieden?

Jede Geburt war für mich einzigartig. Die Unterschiede waren teilweise riesig. Diese Letzte war für mich persönlich die „Schönste“. Die Betreuung durch die Hebammen war sehr kompetent, verantwortungsvoll, herzlich, feinfühlig und aufmunternd. Ich habe mich im Geburtshaus viel besser betreut gefühlt als im Spital. Die Hebamme war nur für mich da, konnte mich anleiten und unterstützen. Obwohl ich es nicht erwartet hätte, habe ich es doch sehr geschätzt, dass meine Hebammen mich bis zum Schluss der ganzen Geburt betreuten, obwohl sie schon lange Feierabend gehabt hätten. Für die Geburt geholfen haben mir das positive Denken und das Vertrauen der Hebammen, die Unterstützung durch meinen Mann, die angenehme Atmosphäre und die Vorfreude auf unser Baby.

Was hast Du das Wochenbett im Geburtshaus Zürcher Oberland erlebt? Was war Dir wichtig?

Ich habe das Wochenbett sehr angenehm und ruhig erlebt. Es war schön, sich die Zeit selbst einteilen zu können und so viel Zeit zur Erholung und für das Baby zu haben. Das Wochenbett im Geburtshaus ist im Vergleich zu jenem im Spital viel ruhiger und familiärer. Es ist wunderschön, ein Einzelzimmer und ein grosses Bett zu haben, so dass man das Baby immer bei sich haben und auch der Partner im Geburtshaus übernachten kann. Da keine Visiten stattfinden, keine Menübestellungen aufgenommen werden und der Hausdienst sich meist dann ums Zimmer kümmert, wenn die Wöchnerin beim Frühstück ist, wird man viel weniger gestört. Die eingeschränkten Besuchszeiten bringen mehr Ruhe und Zeit für Erholung und Babypflege. Sehr geschätzt habe ich auch die gute Küche und die gemeinsam eingenommenen Mahlzeiten. Für die Tage nach der Geburt habe ich mir vor allem viel Ruhe und Zeit fürs Baby gewünscht, da zu Hause mit der ganzen Familie oft „Jubel-Trubel“ herrscht. Gerne wäre ich noch einen Tag länger geblieben, denn es waren schöne und erholsame Tage.

Was möchtest Du zusammenfassend werdenden Eltern mit auf den Weg geben?

Um mich mit meinem Mann gemeinsam auf das Leben zu fünft vorzubereiten, haben wir nochmals einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Dies jedoch nicht, weil wir noch viele Fragen oder Unklarheiten gehabt hätten, sondern weil wir neben den grösseren beiden Kindern zu Hause sehr wenig Zeit hatten, uns gemeinsam auf das neue Baby einzustimmen. Ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung, auch unser drittes Kind in einem Geburtshaus zur Welt bringen zu wollen, war meine Erfahrung, dass die Wochenbett-Tage bedeutend ruhiger als im Spital sind – es kommt nicht dauernd jemand ins Zimmer und man hat viel Zeit für sich und das Neugeborene. Zudem besteht die Möglichkeit, dass auch der Partner im Geburtshaus übernachten kann. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten kann man Kontakte knüpfen und sich mit anderen Eltern – zum Beispiel auch über das Geburtserlebnis – austauschen. Nach meiner zweiten Geburt hatte ich den Austausch mit anderen Wöchnerinnen sehr geschätzt.

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