„Hände, die genau wissen, was sie machen“

Ein Elternbericht von Gabriela (37), Hochbauzeichnerin, Ausbildung in körperorientierter Psychologie, mit Lebenspartner Oliver (37), Informatiker, und Sohn Fellow, der im Januar 2014 geboren wurde.

 

Nach dem Infonachmittag im Geburtshaus bin ich mit meinem Lebenspartner draussen an der frischen Luft gestanden, habe tief in mich gehorcht und gespürt, doch, das ist genau der richtige Ort, um unser Kind auf die Welt zu bringen. Dann bin ich wieder hinein und habe mich zwei Monate vor dem Geburtstermin angemeldet.

Warum ist Dein Sohn nicht in einem Spital zur Welt gekommen?

Das war ein langwieriger, schwieriger Entscheidungsprozess mit vielen Risikoüberlegungen. Vor der Schwangerschaft war für mich immer klar, dass ein Geburtshaus einfach perfekt FÜR MICH ist. Ich habe diese Gewissheit aus einem Workshop meiner Ausbildung zur körperorientierten Psychologin gewonnen, wo wir gelehrt wurden, „dass Menschen durch die Geburt geprägt werden“. Als ich dann aber tatsächlich schwanger war, war alles anders, viel Angst und Unsicherheit hat mich begleitet.

Woher kam diese Angst?

Weil die Ärztin, welche mich durch die Schwangerschaft begleitete hatte, kein Ultraschallgerät besass, habe ich die vermeintlich nötigen Ultraschallkontrollen alle im Spital – jedes Mal bei einem anderen Arzt – gemacht. Nach jeder dieser Kontrollen hatte ich geweint, war gestresst und verunsichert. Ich fühlte mich überhaupt nicht als Mensch, als werdende Mutter wahrgenommen. Nach diesen Erfahrungen meiner ersten Schwangerschaft kann ich nun mit Gewissheit sagen, dass ich bei einer weiteren Schwangerschaft ab dem positiven Schwangerschafts-Test gleich ins Geburtshaus für die Kontrolluntersuchungen gehen werde.

Warum hast Du Dich schlussendlich doch für eine Geburt im Geburtshaus Zürcher Oberland entschieden?

Zwei Spitäler kannte ich ja schon von den unangenehmen Kontrolluntersuchungen. Dabei hatte ich gemerkt, dass ich sehr empfindlich darauf reagiere, wenn zu starker Druck auf mich ausgeübt wird. Ein bisschen Antrieb ist gut für mich und genau die richtige Mischung zwischen Stimulation und Ruhe war im Geburtshaus zu spüren.

Hast Du Deinen Partner in den Entscheidungsprozess betreffend der Wahl des Geburtsortes miteinbezogen?

Absolut! Vor der definitiven Entscheidung wurde von überall Druck auf mich ausgeübt. Mein Lebenspartner Oliver hat mich während dem ganzen Prozess sehr liebe- und verständnisvoll unterstützt. Er stand bei meiner Entscheidung, im Geburtshaus zu gebären, absolut hinter mir. Er hat wohl gespürt, dass es der erste Ort war, wo ich mich einfach super wohl gefühlt hatte und er die Möglichkeit hat, während der ganzen Wochenbett-Zeit dabei sein zu können. Wir empfanden es beide als fantastisch, während der ersten Tage als Familie ein eigenes Zimmer (mit eigener Dusche) zusammen geniessen zu können.

Was für Erinnerungen hast Du an die Geburt eures Sohnes?

Puh, es war eine laaaaange Geburt. Die Hebammen haben sich stets zurück gehalten und uns signalisiert, dass es um UNS geht. Mit der uns hauptsächlich betreuenden Hebammen hat es einfach rundum gestimmt, ihre starke Präsenz rein durchs Da-Sein ist unvergesslich.

Was für Gefühle hast Du bei der Erinnerung an das Wochenbett im Geburtshaus Zürcher Oberland?

Ach, da komme ich gerade wieder ins Schwärmen! Dort läuft die Zeit einfach anders… Am besten ist es wohl mit einem „Nest“ zu beschreiben in dem man behütet und umsorgt wird. Die Hebammen in der Nacht, welche sich egal zu welcher Stunde geduldig um uns gekümmert haben. Uns dann aber wiederum doch unsere erste „heilige“ Zeit zu dritt gewährt und unsere Privatsphäre respekt- und rücksichtsvoll geschützt haben. Einfach genau die richtige Mischung, die für uns eine Wohltat war. An dieser Stelle erinnere ich mich auch gerne an die Händedrucke der Hebammen: fest und sicher. Diese Hände wissen genau, was sie machen!

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