„Wir mussten uns so oft rechtfertigen für unsere Entscheidung“

Da ich während der ersten Monate meiner Schwangerschaft sehr ängstlich war, war ich lange unschlüssig, ob ich im Spital oder im Geburtshaus gebären sollte. Irgendwann hatte ich die Idee, im Spital ambulant zu gebären und ins Wochenbett ins Geburtshaus zu gehen. Diese Idee hielt sich, bis wir zum Informationsabend eines Spitals gingen. Es schreckte uns ab, dass das Hauptthema Schmerzlinderung war und auch die kühle Atmosphäre der Zimmer machte uns klar, dass wir dort nicht richtig aufgehoben waren.

 

Dazu kam, dass ich einen Termin für ein Aufnahmegespräch im Geburtshaus vereinbarte. Ich hatte Bea Angehrn am Telefon. Sie konnte mich schon zu 90% überzeugen, dass das Geburtshaus die beste Variante für mich sein würde. Bea empfahl mir als ängstlicher Frau, den Geburtsvorbereitungskurs „Sanfte Geburt“ zu machen. Als wir dann mit Sue Baratt sprachen und die Räumlichkeiten sahen, waren wir zu mehr als 100% sicher, dass das Geburtshaus unser Ort sein würde.

Ab dem Zeitpunkt, an dem ich meine Schwangerschaftskontrollen im Geburtshaus hatte, war auch die Angst weg und das Vertrauen in mich, meinen Körper und mein Kind wuchs mit jedem Tag.

Am Tag der Geburt kamen wir am Mittag ins Geburtshaus. Da der Muttermund erst ein Zentimeter offen war, durften wir fürs Mittagessen nochmals heim. Am Nachmittag dann fuhren wir den kurzen Weg nochmals hoch nach Bäretswil. Dort machten wir einen kurzen Spaziergang draussen, es war Anfang Juli während der WM, die Schweiz spielte abends gegen Argentinien, während ich im kleinen Lotus in der Wanne lag. Die Stimmung war wunderbar entspannt. Anna liess mir Zeit, gewährte mir, 6 Stunden im Wasser zu bleiben! Ich wollte einfach nicht raus aus der Wanne. Mein Mann und Anna halfen mir, ruhig zu bleiben, wir lachten zwischendurch, ab und zu fragte Anna nach dem Fussballergebnis. Ich fühlte mich zu jeder Zeit so gut aufgehoben. Natürlich hatte ich Schmerzen, aber dadurch, dass Schmerzmittel nicht verfügbar sind, gewinnt man das Vertrauen, es auch ohne schaffen zu können.

Bei Kerzenschein und in Ruhe und Geborgenheit kam unsere Tochter dann kurz nach 12 im Wasser zur Welt. Wir durften uns zuerst spüren, bevor Finn untersucht wurde. Die nächsten Stunden lagen wir auf dem Bett im Geburtszimmer, wir hatten Zeit, uns zu geniessen. Fürs Schlafen wurde mir Finn mit einem Bauchband nackt auf den Körper gelegt.

Während des Wochenbetts hatten wir ein Familienzimmer, konnten zu dritt in einem Bett schlafen, wurden sehr gut auf die Zeit zu Hause vorbereitet und wurden kulinarisch verwöhnt. Jederzeit wurden Fragen beantwortet. Schön waren die gemeinsamen Mahlzeiten mit den anderen Familien und den Hebammen. Berührend, wenn vor einem Geburtszimmer eine Kerze brannte und man wusste, dass bald ein neues Baby da sein würde. Die ersten Tage zu Hause hab ich diese liebevolle und ruhige Oase richtig vermisst.

Ich muss schon sagen, dass ich sehr stolz bin, in der heutigen Zeit natürlich geboren zu haben. Wir mussten uns so oft rechtfertigen für unsere Entscheidung. Hatten viele Diskussionen über Geburtshilfe. Und sind nach der Geburt noch mehr überzeugt als vorher, dass das Geburtshaus für uns Eltern und für das Kind die beste Entscheidung war.

Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Schwangerschaft und Geburt. Es gibt kein grösseres Glück. Auch für die Schwangerschaftskontrollen möchte ich, abgesehen von einem Ultraschall für den Organcheck, ausschliesslich zu den Hebammen des Geburtshauses gehen.

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