1:1 Betreuung

Im Geburtshaus steht jeder gebärenden Frau eine eigene Hebamme zu. Durch die hochwertige, individuelle 1:1 Betreuung der Hebamme ergeben sich optimale Voraussetzungen für einen ungestörten und damit sicheren Verlauf der Geburt.

 

Eine eigene Hebamme: Ist das wichtig?

Ja, ist es!

Gebären bedeutet, sich zu öffnen, die Geburt zuzulassen. Dieses Sich-Öffnen unter der Geburt braucht Zeit und einen geschützten Rahmen mit möglichst keinen bzw. wenig Störungen, damit ein vertrauensvolles Miteinander gedeihen kann.

Im Geburtshaus Zürcher Oberland steht Ihnen während der gesamten Geburt immer eine Hebamme zur Seite; diese ist ausschliesslich für Sie zuständig (daher auch der Begriff 1:1 Betreuung).

 

Geschützter Rahmen als Basis

Im Geburtshaus Zürcher Oberland stellen wir u.a. dank der kontinuierlichen 1:1 Betreuung einen geschützten und bewusst reizarmen Rahmen sicher.

Bei Störungen oder Stress unter der Geburt reagieren nämlich alle Säugetiere (und damit auch der Mensch!) gleich: Der Körper aktiviert eine automatische Schutzreaktion und stoppt den Geburtsvorgang, weil sich die werdende Mutter nicht verteidigen kann. Diese gesunde und gut nachvollziehbare Schutzreaktion ermöglicht es der Mutter, einen neuen Platz aufzusuchen, an dem sie ungestört und damit sicher gebären kann.

Sie können darauf vertrauen, dass wir Ihre Intimsphäre wahren. Ohne vorgängige Rücksprache betreten neben Ihrer Hebamme und Ihren Vertrauten keine weiteren Personen das Geburtszimmer.

Quellen:
  • Stellenwert eines geschützten Rahmens unter der Geburt, in „Do Not Disturb: The Importance of Privacy in Labor“, von Judith A. Lothinan, in: Journal of Perinatal Education, 2004 Summer; 13(3): 4–6: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1595201/
  • Stichwort „reizarm“, z.B. Effekt von Melatonin unter der Geburt erwähnt in: „The secret to a quick, painelss birth?“, Interview mit Dr. Michel Odent vom 2. Juli 2015: http://www.dailymail.co.uk/health/article-3147111/The-secret-quick-painless-childbirth-Just-don-t-think-ban-partner-room-leading-doctor-claims.html

Weniger Schmerzmittel nötig

Frauen, die während der Geburt die ganze Zeit von einer Hebamme begleitet, ermutigt und einfühlsam unterstützt werden, können mit dem Geburtsschmerz besser umgehen und brauchen weniger Schmerzmittel. Immer wieder bestätigt sich, dass eine maschinelle Überwachung z.B. mittels Wehenschreiber (auch Cardiotokogramm oder CTG) kein Ersatz ist für eine persönliche Begleitung der Gebärenden.

Möglichkeiten zur Schmerzlinderung

Im Geburtshaus Zürcher Oberland stehen zusätzlich zur kontinuierlichen 1:1 Betreuung und professionellen Anleitung durch die Hebamme folgende Optionen zur Verfügung:

  • Bewegung und Positionswechsel
  • Wärme, z.B. mit Kompressen oder im Gebär-Pool
  • Massagen, Akupunktur und Akupressur
  • Homöopathie
  • Düfte/Aromatherapie
  • Musik
  • Präsenz vertrauter Personen
  • Craniosacral-Therapie
  • Pflanzliche Schmerzmittel
  • Schulmedizinische Schmerzmittel wie z.B. Buscopan

Gut zu wissen

Die ungestörte natürliche Geburt führt zu einem Trance-Zustand mit einem verringerten Schmerzempfinden. Auch wir Hebammen sind immer wieder davon überrascht, wie wenig Schmerzmittel die Gebärenden unter diesen Umständen brauchen; oft sind gar keine nötig. Umso wichtiger sind dafür Wärme und Wasser: 2015 kamen 71% der Kinder im Gebär-Pool zur Welt.

> Weitere Geburtshaus-Statistiken

Weitere Vorteile der 1:1 Betreuung

  • Die kontinuierliche 1:1-Betreuung verringert das Risiko von Geburtsverletzungen sowie einer operativen Geburtsbeendigung (Erkenntnisse aus unseren langjährigen Erfahrungen). Schwere Geburtsverletzungen sind im Geburtshaus äusserst selten und auch die Kaiserschnittrate nach Beginn der Geburt im Geburtshaus ist tief (vgl. dazu auch unsere Statistik).
  • Die 1:1 Betreuung hat den weiteren Vorteil, dass ein Vertrauensverhältnis entstehen kann und Sie als Gebärende auch bei mentalen Krisen emotional getragen werden. Entscheidend ist in solchen Momenten meist die Konzentration der Gebärenden und das Aushalten der Situation durch eine erfahrene Hebamme, welche die Lage bzw. den Handlungsbedarf kompetent einschätzen kann.
  • Frauen, die in den Genuss einer kontinuierlichen 1:1 Betreuung kommen, beurteilen das Geburtserlebnis insgesamt zufriedenstellender.

Exkurs: Intimsphäre vs. Kontrolle

Das Paradoxon der Geburtshilfe ist die Tatsache, dass Sicherheit gerade dort entsteht, wo wir jeglichen Anspruch auf (vermeintliche) Kontrolle aufgeben…

Die amerikanische Hebamme Ina May Gaskin vergleicht eine Spitalgeburt und den meist damit verbundenen Anspruch, das Geschehen jederzeit im Griff zu haben, mit der Vorstellung von Sex in der Öffentlichkeit. Für die meisten von uns ein  lähmender Gedanke…

Gaskin offeriert in ihren Geburtsvorbereitungskursen jeweils 100 Dollar für den Fall, dass jemand bereit ist, vor den anderen Teilnehmenden in einen Topf zu pinkeln. Leicht verdientes Geld, oder? Bis heute hat sie allerdings die 100 Dollar stets wieder mit nach Hause genommen, denn Hemmungen beeinflussen uns stark. Umso erstaunlicher eigentlich, dass vielerorts erwartet wird, dass sich die Gebärende ohne geschützten Rahmen komplett öffnen könne…

Das von vielen Störungen geprägte Spitalumfeld nimmt das Video „Die Leistung – Sex like Birth“ aufs Korn:

Quellen:
  • Verlgleich mit Sex in der Öffentlichkeit in: „Die selbstbestimmte Geburt, Handbuch für werdende Eltern“, von Ina May Gaskin. Kösel-Verlag; Auflage: 10 (9. September 2004)
  • Das obige Video ist eine Kampagne der römischen Aktionsgruppe FreedomForBirth