Warum natürlich gebären?

Die natürliche Geburt ist das erste überwältigende, gemeinsame Erfolgserlebnis für Mutter und Kind. Sie schafft eine enge Bindung, fördert eine gute Gesundheit sowie das Stillen, und bringt darüber hinaus zahlreiche weitere Vorteile.

 

Vorteile der natürlichen Geburt

Wissenschaftliche Studien belegen, dass während und auch nach einer natürlichen Geburt weniger Komplikationen auftreten, d.h. Mütter und Kinder insgesamt gesünder sind.

Das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Hormone ist darauf ausgerichtet, Mutter und Kind möglichst sicher durch die Geburt zu bringen. Die physiologischen Prozesse im Körper der Mutter während der Wehenarbeit erleichtern die Geburt und bereiten das ungeborene Kind auf das Leben in der Aussenwelt vor:

  • Natürliche Hormone wirken zielgerichtet und ohne Nebenwirkungen.
  • Das noch ungeborene Kind ist dank der natürlichen hormonellen Stimulation besser geschützt. Die während der Wehen vom Körper der Mutter freigesetzten Hormone übernehmen wichtige Funktionen. Sie fördern z.B. den Stoffwechsel des Kindes, beschleunigen die Lungenreife, stärken das Bindungsverhalten und setzen den Milchfluss in Gang.
  • Das sonst dominante, analytisch denkende Grosshirn wird dabei von den körpereigenen Hormonen sozusagen „stumm“ geschaltet, das Schmerzempfinden markant gedämpft. Die Gebärende ist ganz bei sich, voll konzentriert, ihr Körper arbeitet instinktiv.
  • Die natürliche Geburt erleichtert den ersten Atemzug des Neugeborenen. Dazu tragen sowohl die Wehenkontraktionen als auch die Mechanik der vaginalen Geburt bei, welche das Kind mechanisch und sensorisch stimulieren.
  • Weil es bei seiner Reise durch den Geburtskanal mit der schützenden mütterlichen Vaginalflora in Kontakt kommt, verfügt das Neugeborene über ein gesünderes Immunsystem (vgl. dazu auch den Film „Microbirth”)
  • Das „Liebeshormon“ Oxytocin, welches von der Mutter während der natürlichen Geburt ausgeschüttet wird, fördert eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind, regt den Milchfluss an und hilft ihr dabei, das Baby zu stillen. Stillen wiederum stärkt das kindliche Immunsystem, unterstützt die Rückbildung im Wochenbett, fördert durch die dabei ausgeschütteten Hormone die Bindung bzw. Glücksgefühle (dadurch weniger „Baby-Blues“ und Wochenbett-Depressionen) und vermindert das mütterliche Risiko von Brustkrebs.
  • Die Mutter erholt sich rascher. Sie ist bereits kurze Zeit nach der Geburt in der Lage, sich selbstständig und ohne Schmerzen um ihr Kind zu kümmern.
  • Die natürliche Geburt fördert die Gesundheit von Mutter und Kind kurz- und langfristig. Gewisse Komplikationen wie z.B. Narben- oder Fertilitätsprobleme sind in der Folgeschwangerschaft nach einer natürlichen Geburt seltener. Die vaginale Geburt verringert das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken; Frauen, die gestillt haben, sind zudem weniger häufig von Brustkrebs betroffen.
  • Die Frau verarbeitet die Geburt besser, weil sie aktiv am Geschehen beteiligt ist. Während der natürlichen Geburt wächst jede Frau über sich selbst hinaus und steht auf einzigartige Weise mit ihrer ureigenen weiblichen Kraft in Verbindung.

 

Natürlich gebären – was bedeutet das genau?

Definition der natürlichen Geburt

  • Die Geburt beginnt von selbst (Goer et al. 2007)
  • Bewegung während der Geburt und Wechsel der Geburtspositionen
    (Enkin et al. 2000)
  • Kontinuierliche Betreuung durch die Hebamme während der Geburt (Hodnett, Gates, Hofmeyr, & Sakala 2003)
  • Wenn Interventionen, dann nur solche, die medizinisch notwendig sind; kein Routinedammschnitt (Goer et al. 2007)
  • Schmerzmedikamente ja, aber keine Opiate und keine Periduralanästhesie (PDA)
  • Aktive Gebärposition ohne forcierte Pressphase d.h. nicht auf dem Rücken (Enkin et al. 2000)
  • Mutter und Kind bleiben ohne Unterbruch zusammen (Enkin et al. 2000)

Natürliches Oxytocin, das Liebeshormon.

Oxytocin ist ein Schlüsselhormon im Geburtsprozess. Es fördert die Wehentätigkeit, kurbelt die körpereigene Endorphin-Produktion an, lindert Schmerzen, schützt das noch ungeborene Kind vor einem möglichen Sauerstoffmangel (Hypoxie) und fördert nach der Geburt das sogenannte “Bonding”, die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind.