Sichere Geburt

Gebären ist ein zeitloser, instinktiv ablaufender Lebensprozess. Die Natur hat das Zusammenspiel der Hormone zwischen Mutter und Kind über Jahrtausende hinweg perfektioniert. Deshalb entsteht Sicherheit unter anderem dort, wo die gebärende Frau sich geborgen und gut aufgehoben fühlt, sich ganz öffnen und dem natürlichen Geschehen vertrauensvoll hingeben kann.

 

Sichere Geburt – was bedeutet das?

Geburtshaus Zürcher Oberland: Über 4’500 natürliche Geburten seit 1993

Sicherheit in der Geburtshilfe lässt sich anhand zweier zentraler Kriterien definieren. Oberste Priorität geniesst der Schutz des Lebens von Mutter und Kind.

Gebären ist ein natürlicher Vorgang, der bei einem normalen Verlauf weder medizinische Eingriffe noch medikamentöse Unterstützung verlangt. Die wissenschaftlichen Hinweise verdichten sich, dass es bei gesunden Schwangeren für eine möglichst sichere Geburt und ein geringes Komplikationsrisiko genügt, den natürlichen, physiologischen Geburtsprozess zu respektieren und ohne klare medizinische Indikation keinesfalls einzugreifen (vgl. dazu nachstehend die WHO-Empfehlungen bzw. NICE-Guidelines). Unsere Geburtshaus-Statistiken untermauern diese Erkenntnis.

 

Geburtshilfe: Wie Sicherheit entsteht

Sicherheit entsteht in der Geburtshilfe unter anderem dort, wo die Gebärende sich sicher fühlt.  Wo und warum fühlt sich die Gebärende sicher? Dieser Frage nachzugehen lohnt sich, denn meist treffen wir Entscheidungen mit demjenigen Teil unseres Gehirns, der für bewusstes Denken und intellektuell-analytisches Entscheiden zuständig ist: dem Grosshirn.

Allerdings sitzt beim Gebären nicht wie sonst das Grosshirn am Steuer, sondern der Hirnstamm, welcher ganz anders tickt als das analytisch denkende Grosshirn. Als ältester Teil des menschlichen Gehirns ist der Hirnstamm der Hort unserer Instinkte und Schaltzentrale für alle grundlegenden körperlichen Prozesse wie etwa Herzschlag, Atmung oder Verdauung. Im Falle einer Bedrohung wählt er zudem eine der drei Verhaltensoptionen Angriff/Verteidigung, Flucht oder Erstarrung. Unter anderem deshalb legen wir im Geburtshaus grossen Wert auf einen geschützten Rahmen.

Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl

Ihre Intuition kann Ihnen bei der Wahl des richtigen Geburtsorts wertvolle Hinweise geben, denn sie schlägt die Brücke zum instinktiv agierenden Hirnstamm, welcher beim Gebären das Zepter übernimmt.

Wichtig ist dabei: Stehen Sie zu Ihren Werten und Bedürfnissen. Seien Sie ehrlich zu sich selbst – und zu Ihrem Partner.

  • Wählen Sie das Geburtshaus, weil Sie sich dort sicher und gut aufgehoben fühlen, dann ist dies die beste Wahl für Sie und die natürliche Geburt.
  • Wählen Sie das Spital, weil Sie sich dort fachlich und menschlich gut aufgehoben fühlen, so ist auch dies die für Sie richtige Entscheidung.

Eckpfeiler für eine sichere Geburt

Nachfolgende Kriterien für eine gesunde Geburtshilfe sind nahezu deckungsgleich mit unserer Definition einer natürlichen Geburt und sorgen für hohe Sicherheit:

  1. Spontaner Geburtsbeginn: Die Wehen beginnen von selbst (Amis, 2009)
  2. Die Gebärende ist aktiv: Bewegung und Positionswechsel während der gesamten Wehen- und Geburtsarbeit (Shilling, 2009)
  3. Vertrautes Umfeld: Kontinuierliche Begleitung durch vertraute Personen (Partner, Freundin, Doula etc.) (Green & Hotelling, 2009)
  4. Kunst der gekonnten Zurückhaltung: Alle nicht zwingend notwendigen medizinischen Interventionen werden vermieden (Lothian, 2009)
  5. Nutzung der Schwerkraft: Die Geburt auf dem Rücken liegend wird vermieden. Die Frau folgt dem körperlichen Impuls, zu pressen (DiFranco, Romano, & Keen, 2009)
  6. Ungestörtes Bonding: Mutter und Kind bleiben ununterbrochen zusammen (Crenshaw, 2009)
    Quelle: Safe, Healthy Birth: What Every Pregnant Woman Needs to Know, Judith A. Lothian, in Journal of Perinatal Education, 2009 Summer; 18(3): 48–54: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2730905/.

Zusätzlich sind aus unserer Sicht wichtig:

  • 1:1 Betreuung durch eine Hebamme: Jeder Gebärenden steht während der Geburt eine eigene Hebamme zur Seite.
  • Vertrauen in die körperlichen Signale: Auch längere (Wehen-)Pausen werden zugelassen, denn sie dienen der Erholung.

Auch wenn es keine Garantien gibt, so belegen die Ergebnisse der ausserklinischen Geburtshilfe doch eindrücklich, dass eine interventionsarme, bestärkende und individuelle Begleitung während der Schwangerschaft der beste Garant für einen positiven Verlauf der gesamten Mutterschaft ist.

Unsere Erfahrungen und die Statistik des Geburtshauses Zürcher Oberland seit 1993 bestätigen: Je vertrauensvoller und ungestörter Sie sich auf das Abenteuer „Geburt“ einlassen können, desto wahrscheinlicher ist ein gesunder und somit sicherer Geburtsverlauf.

WHO empfiehlt natürliche Geburt

Die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen nicht nur bei der Schwangerschaftsvorsorge, sondern auch bei der Geburt hebammengeleitete Modelle (d.h. Geburtshaus, Hausgeburt) als sicherste und gesündeste Variante, vorausgesetzt die Schwangerschaft verlief unkompliziert und es ist ein gesunder Geburtsverlauf zu erwarten. Gemäss WHO ist die grosse Mehrheit der Schwangeren gesund, für sie wird die natürliche Geburt empfohlen.

„Die Beurteilung der hebammengeleiteten Betreuung umfasste Schwangerschaftskontrollen, Geburtsleitung und Wochenbettpflege. Diese wurde mit geburtsmedizinischen sowie mit gemischten Betreuungsmodellen (Arzt/Hebamme) verglichen. Dabei wurden im Rahmen von elf Studien die Daten von 12’276 Frauen ausgewertet. Die hebammengeleitete Betreuung zeigte dabei verschiedene Vorteile für Mutter und Kind, ohne dass negative Auswirkungen aufgetreten wären.“

Quelle: Midwife-led vs. other models of care for childbearing women (2009)

Zum gleichen Schluss kamen Ende 2014 auch die NICE-Guidelines in England. Die Erkenntnis der wissenschaftlich breit abgestützten Studie des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) lautet: Nach einer unauffällig verlaufenden Schwangerschaft mit zu erwartendem gesundem Geburtsverlauf ist die Betreuung der Geburt in hebammengeleiteten Modellen sowohl für Erstgebärende als auch für Mehrgebärende gleich sicher wie eine Spitalgeburt.

Die Vorsitzende der NICE-Expertenkommission, Professor Susan Bewley vom King’s College London, betont dabei aber richtigerweise, dass die Wahlfreiheit der Frau in jedem Fall respektiert werden muss.

Der Natur ihren Lauf lassen

Jede natürliche Geburt folgt ihrem eigenen Rhythmus. Hebammen beherrschen die Kunst der gekonnten Zurückhaltung: Wir überwachen den natürlichen Geburtsverlauf fachlich kompetent und greifen nur bei begründeter medizinischer Indikation ein.

Wo nötig wenden wir in Rücksprache mit Ihnen und Ihrem Partner geeignete geburtshilfliche Massnahmen an. Sie können dabei darauf vertrauen, dass wir Sie zu jeder Zeit als Menschen und nicht als „Fall“ sehen.

Das Geburtshaus Zürcher Oberland ist dem Prinzip der evidenzbasierten Medizin verpflichtet (vergleichen Sie dazu auch unsere Philosophie). Dies bedeutet, dass wir nur Massnahmen anwenden, deren Nutzen in der geburtshilflichen Praxis eindeutig belegt ist bzw. bei denen die Vorteile für Mutter und Kind mögliche Nachteile überwiegen.